Geschichte eines Systemwechsels – von Nikon zur Sony a7

dWarum ich wechsle

Wenn man professionell fotografieren will, führt kaum ein Weg an einer Spiegelreflexkamera vorbei. So war es, so ist es. Und DSLR-Kameras geben sich nicht viel. Ob man nun mit Canon oder Nikon fotografiert, spielt keine Rolle. Andere Hersteller sind durch die Marktmacht der beiden großen in einer Außenseiterrolle. Obwohl man anderswo durchaus einige interessante Ideen findet, gelten die Baureihen der Platzhirsche als flexibler und breiter einsetzbar. Dabei ist der Kleinbild-Formfaktor führend. Mittelformatkameras sind überwiegend in der Werbung zuhause, und das APS-C-Format im Amateursegment.

Seit einiger Zeit wirbelt nun die Sony a7 (gesprochen „Alpha“) die Fotografenwelt gehörig auf. Die Kamera verzichtet auf eine Spiegelkonstruktion und auf einen optischen Sucher, entspricht insofern also mehr einer Kompaktkamera. Allerdings hat sie den begehrten „Vollformat“-Sensor, und sie hat einen Anschluß für Wechselobjektive. So gesehen ähnelt die Kamera mehr einer Leica M.

Sony ist bereits seit langem im Segment der digitalen Kompaktkameras auf dem Markt, und ebenfalls seit langem mit Video-Camcordern sowohl im Amateur- als auch im Profibereich. Hochwertige Fotokameras fehlten aber im Sortiment – diese Lücke wurde durch den Zukauf der Traditionsmarke Minolta geschlossen.

Die meisten Fotografen bleiben „Ihrer“ Kameramarke über lange Zeit treu. So war es auch bei mir. Ca. Mitte der 90er kaufte ich meine erste Nikon, und bin dann aus Gewohnheit dabei geblieben. Damit lag ich auch nicht falsch. Schließlich spielt die Kamera zwar eine wichtige Rolle beim Fotografieren, aber letztlich ist sie doch nur ein austauschbares Werkzeug. Ab und an kam eine andere Marke mit einem netten Feature, aber das fand sich dann auch kurze Zeit später beim eigenen Fabrikat.

Darüber hinaus sammelten sich im Laufe der Jahre viele Kameras, Objektive und andere Zubehörteile an. Zusammengenommen eine erhebliche Investition, die bei einem Wechsel zu einem guten Teil verloren gehen würde. Lange Zeit war ich der Meinung, dass ein Systemwechsel sich einfach nicht lohnen würde.

Interessant wurde die a7-Baureihe mit der Vorstellung der a7s. Im Gegensatz zum Normal-Modell legt die „s“ besonderen Fokus auf die Videofähigkeiten: SLOG2 Gamma, hochwertiger XAVC-S Codec, maximaler ISO-Wert von 409600 und ein komplett lautloser Auslöser machen die Kamera für Hochzeitsfotografen und Videofilmer gleichermaßen interessant. Seit einem Jahr bereichert also eine Sony a7s meine Sammlung. Sie ist bei einigen Hochzeiten als Zweitkamera „mitgelaufen“, und es erwies sich als problemlos, Sony- und Nikon-Fotos zu vermischen, zumindest wenn alles im RAW-Format fotografiert wird.

Bei Videos sieht das aber anders aus: bereits die Farb- und Kontrastwiedergabe unterschiedlicher Nikon-Modelle passt kaum zusammen. Wenn dann noch die Sony dazukommt, ist es kaum noch möglich, die Farben anzugleichen. Wenn man mit mehreren Kameras parallel filmt, tut man also gut daran möglichst baugleiche Modelle zu verwenden.

Was sprach noch für einen Wechsel: bisher hatte ich fünf Kameras, mit fünf unterschiedlichen Akkus und drei unterschiedlichen Speichertechnologien. Jedesmal, wenn ich eine andere Kamera in die Hand nahm, mußte ich umdenken: wo war noch mal der Knopf für Weißabgleich, ISO, Bildkontrolle? Und es hatte sich auch einfach zuviel Zeug angesammelt und verstopfte meine Schränke und mein Denken. Ich mußte also Platz schaffen, innerlich und äußerlich.

Schließlich zückte ich meinen virtuellen Taschenrechner und rechnete die Sache durch. Das Ergebnis überraschte: ein Wechsel würde zwar ein Sümmchen kosten, wäre aber leistbar. Wenn ich dann noch in Betracht zog, dass einiges von meinen Sachen schon die Altersgrenze erreicht hatte und ohnehin fällig für einen Austausch war, konnte ich vielleicht sogar etwas sparen.

Am nächsten Morgen verkündete ich meine Wechselpläne im Internet, und schon am Abend war ein guter Teil meines Equipments verkauft.


Zusammengefasst: die Gründe für meinen Wechsel.

– Videofunktionen der a7-Reihe (besonders der a7S)

– Lautloser Auslöser

– Vorteile des elektronischen Suchers

– Kompakt und leicht

– Zwei identische Kamerabodies für Hochzeitsfotografie

– Neue Kamerabodies waren ohnehin fällig

– nur noch ein Akkutyp und ein Speicherkartentyp

– alte Objektive können mit Adapter weiterverwendet werden

Was genau habe ich nun gewechselt? Mein System sah bisher so aus:

  • eine Nikon D4 als Hauptkamera, die so ziemlich für alles genutzt wurde: Studio-Fotos, Hochzeiten, Events, Business-Shootings usw.
  • eine Nikon D800 als Zweitkamera, die ich deutlich seltener nutzte, hauptsächlich als Zweitkamera auf Hochzeiten, für Immobilien und bei Neugeborenen-Shootings, wo die hohe Auflösung später viele Ausschnittvarianten zuließ.
  • eine Nikon D5200 als Reservekamera, die hauptsächlich für Videos und für Detailfotos bei Hochzeiten eingesetzt wurde
  • eine Nikon D90, die im Studio lebte und überwiegend für Passbilder benutzt wurde
  • eine Reihe von Objektiven für jeden möglichen Einsatzzweck. Viel mehr, als man sinnvollerweise auf eine Hochzeit mitnehmen konnte.
  • diverse Blitzgeräte aus verschiedenen Jahren.
  • und die Sony A7s mit einem Novoflex-Adapter für Nikon-Objektive, die in erster Linie für Videos und Available Light Bilder benutzt wurde.

Folgenden Aufgaben muß meine Ausrüstung gerecht werden:

  • 2 identische Kamerabodies für Hochzeiten
  • eine Kamera mit hoher Auflösung für Studioarbeiten
  • eine Kamera mit schnellem Autofokus für Kinder
  • alle Kameras für Fotos und Video nutzbar
  • eine robuste Kamera mit WLAN für Eventfotografie
  • ein Ultraweitwinkel-Zoom für Immobilienfotos
  • zwei lichtstarke Festbrennweiten für Hochzeitsfotos und Portraits
  • ein Standardzoom für’s Studio
  • und ein Universalzoom zum Filmen

All diese Anforderungen erfüllt die Sony a7-Baureihe.

Sony a7

Die Sony a7 ist eine spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor und elektronischem Sucher. Mittlerweile ist aus der A7 eine ganze Familie von unterschiedlichen Kameras geworden:

– die original Sony A7 mit einem 24MP-Sensor

– die Sony A7r mit 36MP

– die Sony A7s mit 12MP, High ISO, Silent Shutter und hoher Videoqualität

Alle drei gibt es auch nochmal als Version II mit etwas verändertem Gehäuse, integriertem Stabilisator und weiteren Verbesserungen.

Insgesamt hat man also die Wahl aus 6 äußerlich fast identischen Kameras zu Preisen von ca. 900 bis 3500€.

Am preisgünstigsten ist die a7 bzw. a7 II zu haben. Ihnen fehlen aber einige für mich wesentliche Funktionen: für Videos fehlt der SLOG2-Modus und der XAVC-S Codec, zum Fotografieren fehlt der lautlose Auslöser. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die normale a7 für DSLR-Umsteiger keine großen Vorteile bringt. Das gleiche gilt für die a7r der ersten Serie.

Daher habe ich mich für diese Modelle entschieden:

Sony a7s (I)

Die Sony a7s ist als Video- und Lowlight-Spezialistin konzipiert. Der Sensor gibt 12 Megapixel aus, das ist heute nicht mehr viel, aber für die meisten Anwendungen völlig ausreichend. Dafür geht die ISO-Skala bis auf beeindruckende 409600.

Im Gegensatz zur ebenfalls angebotenen A7sII hat die erste Serie noch das ursprüngliche Gehäuse im Retrodesign. Interne Stabilisation ist nicht vorhanden, und 4K-Videos können nur über einen externen Recorder aufgezeichnet werden. Dafür liegt der Preis rund 40% unter dem Nachfolgemodell.

Ein besonderes Merkmal ist die „Silent Shutter“-Funktion, hiermit wird die Kamera völlig lautlos. Ein Segen für jeden, der unbemerkt fotografieren will! Aber auch der Videograf freut sich, wenn die Tonspur des Hochzeitsvideos nicht ständig mit Kameraklacken unterlegt ist.

Ich habe mir zwei a7s zugelegt, um auf Hochzeiten mit zwei Festbrennweiten – 25 und 85mm- parallel zu fotografieren. Daneben werden die Kameras natürlich auch für Videodrehs eingesetzt.

Sony a7rII

Die A7rII ist Sonys modernste Kamera mit allen Finessen: 42 Megapixel Auflösung, interne 5-Achsen-Stabilisierung, 4K-Video, Hybrid-AF.

Das Gehäuse wurde im vergleich zur ersten Serie etwas größer und einige Knöpfe anders gestaltet. Im Gegensatz zur „s“ sind die Lowlight-Fähigkeiten eingeschränkt, und es gibt keine Video-Zeitlupe. Der ISO-Regler geht aber immerhin bis 102400.

Die a7RII ist meine Haupt-Fotokamera, bei normalen Lichtverhältnissen ist sie aber auch eine hervorragende Filmkamera.

 

Meine Objektive

Eine besondere Eigenschaft der a7-Reihe ist das E-Mount Bajonett. Der Sensor sitzt hier unmittelbar hinter dem Bajonett. Durch dieses kurze Auflagemaß ist es möglich, so ziemlich jedes Objektiv mittels Adapter zu verwenden. Sony selbst bietet Adapter für das hauseigene, von Minolta übernommene A-Bajonett an. Von Fremdherstellern sind Adapter u.a. für Canon, Nikon, Leica und viele andere erhältlich. So kann man seinen bestehenden Objektivpark weiterverwenden – das erleichtert die Entscheidung für die a7 sehr. Canon-Fotografen können dabei sogar den Autofokus weiterverwenden, für Nikon sind bislang nur manuelle Lösungen erhältlich. Es gibt bei den Adaptern deutliche Qualitätsunterschiede. Mein erster Billig-Adapter erwies sich als nicht lichtdicht, so dass ich schnell auf ein Modell von Novoflex gewechselt bin, bei dem es nichts auszusetzen gibt. Zwar funktioniert das manuelle Fokussieren mit den Hilfsmitteln der a7 sehr gut, dennoch wollte ich bei einem Komplettwechsel auch neue Objektive mit Autofokus haben. Die Auswahl an vollformat-tauglichen E-Mount-Objektiven ist aber noch recht übersichtlich. Die bekannten Dritthersteller wie Sigma oder Tamron fallen (noch?) aus. Objektive gibt es derzeit nur von Sony und von Zeiss. Sony kooperiert dabei mit Zeiss. Es gibt daher Sony-Objektive, die man im Sony-Programm findet, Sony/Zeiss-Objektive, die von beiden Firmen angeboten werden, und zwei Baureihen Zeiss-Objektive, die man nur im Katalog von Zeiss sieht.

Die beiden Zeiss-Baureihen heißen Batis und Loxia. Die Loxia-Objektive gibt es in den Varianten 2.8/21, 2/35 und 2/50. Sie sind alle sehr kompakt, jedoch nur manuell fokussierbar.

Die Batis-Serie kommt dagegen mit Autofokus und ist speziell für die a7-Baureihe konstruiert.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass auch die sündhaft teure „Compact“-Serie der Zeiss-Filmobjektive mit E-Mount erhältlich ist.

Bei Sony beginnen die E-Mount-Objektive immer mit der Buchstabenkennung SEL, wobei die Typenbezeichnung scheinbar keinen Hinweis darauf gibt, ob das Objektiv für Vollformat oder nur für APS-C geeignet ist. Die höherwertigen Objektive werden durch ein „G“ oder „GM“ gekennzeichnet.

Zeiss Batis 2/25 | Zeiss Batis 1.8/85

Die Batis-Serie von Zeiss ist eine Neuerscheinung und speziell für die Sony E-Mount Kameras entwickelt. Es gibt derzeit nur zwei Brennweiten: 25 und 85mm. Die Objektive haben Autofocus und integrierten Bildstabilisator. Daran gemessen sind sie erfreulich leicht und kompakt.

Auf Hochzeiten fotografiere ich mit meinen beiden a7S parallel, einmal mit dem 25er, einmal mit dem 85er. Damit kann man 95% einer Hochzeit abdecken.

Als Alternative zu den Zeiss hatte ich das Sony Zeiss Distagon 35mm/1.4 und das neu vorgestellte 85mm/1.4 GM in Erwägung gezogen. Beide sind aber teurer, größer und schwerer, so dass ich lieber auf das letzte Quäntchen Lichtstärke verzichte und dafür meinen Rücken schone.

Sollte Zeiss die Batis-Reihe noch um ein 50er erweitern, wäre ich wohl auch dabei, allerdings bräuchte ich das weniger für Hochzeiten als für Neugeborenenfotos.

Sony/Zeiss Vario-Tessar T* FE 16-35mm F4 ZA OSS (SEL1635Z)

Dieses Objektiv ersetzt mein Nikon 17-35mm/2.8, welches ich jahrelang als Reportageobjektiv verwendete (bevor ich auf das 24mm/1.4 umstieg). Es ist nicht gerade ein Lichtriese, was aber für Immobilien- und Landschaftsfotos nicht so wichtig ist. Auf Hochzeiten verwende ich es seltener, in manchen engen Standesämtern oder Ankleidezimmern ist es aber ganz hübsch zu gebrauchen.
Es ist außerdem ein wunderbares Objektiv zum Filmen auf dem Ronin Schwebesystem.

Sony FE PZ28-135mm F4 G OSS (SELP28135G)

Das 28-135 ist sehr groß und schwer und hautpsächlich zum Filmen vom Stativ gedacht. Der Brennweitenbereich ist für Video sehr praxisgerecht, insbesondere weil man auch im Crop-Modus filmen kann und damit quasi einen eingebauten 1,5x-Extender hat.  Das ganze ist dicker, aber deutlich kürzer als etwa ein 70-200/2.8. Aus der Hand fotografieren geht gar nicht mal schlecht, aus der Hand filmen ist aber sehr ermüdend.

Ein kompaktes 24-105 oder 24-120 wie bei Canon und Nikon sind im E-Mount-Sortiment derzeit leider noch nicht zu finden.

Sony FE 28-70mm F3.5-5.6 OSS (SEL2870)

Das Standardzoom der a7-Baureihe. Mein Fotohändler hatte zufällig ein neuwertiges gebrauchtes da, das ich für kleines Geld mitnehmen konnte. Für’s Studio ist dieses Objektiv vollkommen ausreichend. Auf Hochzeiten nehme ich es vielleicht als Reserve mit, falls ich mit zwei Kameras parallel filmen möchte und an beiden ein Zoom brauche.

Sony FE 50mm F2.8 Makro (SEL50M28)

Neuestes Objektiv in meiner Kameratasche ist das 50er Makro. Ich hatte die Hoffnung, mit diesem Objektiv sowohl eine gute Normalbrennweite als auch ein brauchbares, wenn auch etwas kurzes Makro zu erhalten. Die Bildqualität ist fantastisch, die Baugröße angenehm kompakt. Fokussieren ist aber ein Alptraum. Der AF ist irrsinnig langsam, und kapituliert bei weniger kontrastreichen Motiven komplett. Manuell kann man das Objektiv äußerst fein fokussieren, jedoch sind die Fokuswege extrem lang. Als Standardobjektiv ist es somit nicht sonderlich brauchbar. Wer nur Makro fotografieren will, ist aufgrund des größeren Aufnahmeabstands mit dem 90er sicher besser dran. Ich gehe aber selten bis auf 1:1-Vergrößerung, so dass ich die kurze Brennweite hier nicht als Nachteil empfinde.

Außerdem habe ich zwei meiner alten Gläser mit Nikon-Anschluß behalten: ein 8mm Fisheye von Sigma, das ich auf fast jeder Hochzeit für einige Bilder einsetze. Bei einem Fisheye braucht man keinen Autofokus, daher wäre ein Neukauf unsinnig.

Und ich habe mein Lensbaby Muse behalten. Das hatte ich mir mal zum Spaß zugelegt, aber es blieb schnell im Schrank. Der Grund: an der klassischen DSLR gelang mir kaum mal ein scharfes Foto. Ohne brauchbare Fokussierhilfe ist das mit diesem Objektiv auch kaum vorstellbar. Mit der a7s und ihrem Focus Peaking klappen aber auf Anhieb knackscharfe Bilder. Also gebe ich dem Lensbaby nochmal eine Chance.

Diese Objektive verwende ich mit einem Adapter von Novoflex, der perfekt funktioniert. Vorher hatte ich ein Billigmodell der Marke Quenox, das sich als wackelig und nicht lichtdicht erwiesen hatte.

Der Sucher

In der a7 steckt kein optischer Sucher, und auch kein Spiegelsystem, sondern ein elektronischer Sucher (Electronic Viewfinder = EVF), oder wie Sony ihn liebevoll nennt: den Organischen Elektrolumineszenzsucher.

In einer DSLR-Kamera wird das durch das Objektiv einfallende Licht über ein Spiegelsystem auf eine Mattscheibe gelenkt, auf die man dann durch das Okular guckt. Im Moment der Auslösung klappt der Spiegel hoch und das Licht findet seinen Weg auf den Bildsensor, wobei der Sucher kurz dunkel wird.

Eine andere Konstruktion ist die Sucherkamera. Hier ist das Suchersystem separat vom Objektiv (Leica M). Vorteil: man kann das Motiv während der Aufnahme beobachten. Nachteil: man sieht im Sucher nicht genau das, was später auf dem Bild ist.

Die dritte Konstruktion schließlich nutzt den Kamerasensor bereits vor der Aufnahme, um ein elektronisch erzeugtes Bild auf einem Display auszugeben. Kompaktkameras arbeiten so, oder die Live-View-Funktion einer DSLR. Der Nachteil des Displays: bei Sonnenlicht ist es schlecht ablesbar, außerdem muß man die Kamera vom Körper weg halten – das beansprucht die Muskulatur und ist anfälliger für Verwacklungen.

Sony nutzt einen elektronischen Sucher, ähnlich wie bei guten Video-Camcordern. Ein elektronischer Sucher ist im Prinzip nichts anderes als ein Mini-Display, das durch ein Okular betrachtet wird, wie bei einem SLR-Sucher.

Dieser elektronische Sucher hat einige Vorteile: es lassen sich problemlos die verschiedensten Aufnahmeinformationen anzeigen, zum Beispiel ein Live-Histogramm. Man kann im elektronischen Sucher aber auch sehen, wie sich die Belichtungs- und Weißabgleicheinstellungen auswirken werden, und man kann nach der Aufnahme das Bild direkt im Sucher kontrollieren, ohne erst auf das Display schauen zu müssen. Übrigens kann man ohne weiteres zwischen Sucher und Display wechseln, die Kamera erkennt automatisch wo man grad reinschaut. Ebenso kann man ohne weiteres zwischen Foto- und Filmaufnahme wechseln, ohne dazu erst den Liveview aktivieren zu müssen.

Ein enormer Vorteil des OLED-Suchers sind die eingebauten Fokussierhilfen. Eine Vergrößerungsfunktion findet man auch im Live-View einer DSLR, aber Focus Peaking – bei Nikon Fehlanzeige. Focus Peaking bedeutet, dass die Kontrastkanten im Bild farblich markiert werden. Damit kann man ohne Weiteres auch mit Blende 1,4 exakt auf den gewünschten Punkt scharfstellen, sehr viel präziser als der Autofokus einer DSLR es hinbekommt. Und es geht schnell. Mit etwas Übung lassen sich damit sogar bewegte Objekte bei Dunkelheit sicher scharfstellen, auch wenn man im Sucher kaum noch etwas erkennt.

Der Sucher der a7s ist im Gegensatz zu früheren elektronischen Suchern pfeilschnell und liefert auch bei Dunkelheit gute Ergebnisse. Bei älteren Kameras (das gilt meines Wissens auch für die originale a7) sinkt bei Dunkelheit die Bildfrequenz des Suchers. Das führt dazu, dass man bewegte Motive kaum noch verfolgen kann.

Hat man die Sonne im Bild, wird es allerdings sehr schwer im Sucher etwas zu erkennen. Das ist bei einer DSLR zwar nicht anders, aber ich habe den Eindruck dass optische Sucher an der Stelle noch im Vorteil sind. Wie sich der Autofokus bei Gegenlicht verhält, habe ich mangels Sonne noch nicht testen können – im vergangenen Sommer standen mir nur manuell fokussierbare Objektive zur Verfügung. Wie einige Benutzer berichten, kann der Sucher bei starker Kälte auch langsamer werden.

Pros und Contras des elektronischen Suchers:

Pro

+ Bildkontrolle im Sucher

+ sinnvolle Fokussierhilfen

+ Weißabgleich und Belichtung können vor der Aufnahme beurteilt werden

+ alle wichtigen Kamerainfos im Sucher

+ automatische Umschaltung zwischen Sucher und Display

Contra

– für DSLR-Umsteiger gewöhnungsbedürftig

– bei schnellen Serienbildern längere „Dunkelzeit“ als bei DSLR

– bei starkem Gegenlicht schlecht erkennbares Bild

Autofokus & manueller Fokus

Ich habe meine a7S ein Jahr lang ausschließlich mit adaptierten Nikon-Objektiven verwendet. Dabei gehen die AF-Funktionen des Objektivs verloren und man muß manuell fokussieren. Das geht mit der a7S erstaunlich gut: Sowohl das Display als auch der Sucher zeigen schon ohne Hilfsmittel sehr gut, wo die Schärfe liegt. Es gibt aber auch zwei hervorragende Hilfsmittel zum Scharfstellen: eine Sucherlupe, die man sich auf eine Taste legen kann und auf Knopfdruck das Sucherbild vergrößert, und eine Peaking-Funktion, die farblich und in der Empfindlichkeit einstellbar ist. Die Peaking-Funktion hebt Kontrastkanten farbig hervor, wodurch das Fokussieren in vielen SItuationen sehr erleichtert wird. Noch besser wäre es, wenn man das Sucherbild dabei in schwarzweiß haben könnte, wie es bei professionellen Videokameras üblich ist. Wenn man in RAW fotografiert, kann man sich dabei mit einem Trick behelfen: einfach als Fotoprofil schwarzweiß wählen, dann wird auch der Sucher schwarzweiß. In der RAW-Bearbeitung lässt sich dann wieder ein Farbbild daraus machen.

Inzwischen habe ich auch die ersten Sony/Zeiss-Objektive mit Autofocus erhalten und ausprobiert. Mein Eindruck: der AF ist besser als sein Ruf. Er braucht starke Kontraste, ist dann aber absolut zuverlässig und präzise.

Zum Autofocus ist zu sagen, dass die a7S mit einem Kontrast-AF auskommt, die a7RII zusätzlich mit Phasen-AF wie bei einer DSLR ausgestattet ist (Sony nennt das Hybrid-AF). Der Kontrast-AF ist prinzipiell genauer, braucht aber im Zweifel etwas länger zur Fokussierung. Wer allerdings dabei an die sekundenlangen Wartezeiten einer Nikon DSLR im Liveview-Modus denkt, liegt falsch. In den meisten Fällen ist der Kontrast-AF der a7S völlig ausreichend.

Verwirrend ist allerdings die Vielzahl an AF-Optionen, zumal es auch noch eine zuschaltbare Gesichts- und sogar Lächelerkennung gibt.

Es gibt 4 Fokusmodi: AF-S, AF-C, MF und DMF (+ AF-A bei der a7rII). Die ersten drei dürften dem DSLR-Fotografen bekannt sein: Einzel-AF, Kontinuierlicher AF und manuelle Fokussierung. Im Modus DMF kann man zunächst automatisch fokussieren und dann manuell feinfokussieren, dazu springt automatisch die Sucherlupe und, wenn aktiviert, das Fokus-Peaking an.

Das Menü für die Meßfeldwahl bietet folgende Einträge: „Breit“ bedeutet soviel wie automatische Meßfeldwahl über den gesamten Bildausschnitt, „Feld“ begrenzt die automatische Meßfeldwahl auf ca. 3/5 des Bildausschnitts, „Mitte“ fixiert den mittleren Fokuspunkt, und „Flexible Spot“ bedeutet, dass man das Meßfeld selbst auswählt, wobei man aus drei Meßfeld-Größen und 289 Meßfeldern wählen kann. Zuguterletzt gibt es „Flexible Spot mit AF-Verriegelung“. Dieser Modus ist nur mit kontinuierlichem AF (AF-C) wählbar und beinhaltet eine Objekt-Erkennung. Beim ersten Fokussieren werden die Umrisse des anvisierten Objekts erkannt. Bewegt sich nun das Objekt oder die Kamera, wird der Fokus automatisch auf dem erkannten Objekt gehalten. Bei nicht allzu schnellen Bewegungen funktioniert das gar nicht mal schlecht.

Ist die Gesichtserkennung aktiviert, sucht die Kamera etwa in der Einstellung „Breit“ automatisch das nächstgelegene Gesicht zum Fokussieren aus.

Darüber hinaus gibt eine Einstellung „Mittel-AF-Verriegelung“. Diese funktioniert ähnlich wie die neuere AF-Verriegelung, allerdings muß man hier zunächst das gewünschte Objekt in der Suchermitte identifizieren und die Verfolgung per Knopfdruck starten. Dann allerdings merkt sich die Kamera das erkannte Objekt und findet es auch wieder, wenn es den Bildausschnitt zwischenzeitlich verlässt.

Schön ist, dass man die Fokusfelder bis in die Bildschirmecken wählen kann.

Das Licht

Sonys Blitzsystem ist nicht ganz so umfangreich wie das der Konkurrenz. Mittlerweile gibt es aber von Nissin einen günstigen Aufsteckblitz (Di700), der auch funkgesteuert werden kann. Nach ersten Shootings mit dem Di700 empfinde ich jedoch drei Dinge als störend:

  • Sowohl Batterien als auch Akkus sind in kurzer Zeit so leergesaugt, dass die Aufladezeiten unpraktibel lang werden
  • Im TTL-Modus habe ich häufig Überbelichtungen festgestellt
  • Um den Funksender zu nutzen, muß im Kameramenü der Blitzmodus umgestellt werden (das ist natürlich nicht Nissin anzulasten)

Für Portrait-Shootings verwende ich ohnehin nur die großen Profoto B1. Schwieriger wird es bei Partyfotos auf Hochzeiten. Hier habe ich gerne mit mehreren kleinen Blitzen rund um die Tanzfläche gearbeitet. Das ginge zwar auch mit den Profotos, allerdings bekommt man für den Preis einen einzelnen Profoto-Akkus gleich mehrere günstige Kompaktblitze. So oder so: wenn parallel ein Video gedreht wird, stört die Blitzerei gewaltig. Ich werde daher zukünftig bei Partys auf Dauerlicht setzen. Für die nächsten Hochzeiten miete ich verschiedene Systeme und entscheide dann, welches gekauft wird. Vermutlich werde ich mein bereits vorhandes Dedolight zu einem Set erweitern und noch das eine oder andere LED-Panel zum generellen Aufhellen bei Nahaufnahmen einsetzen.

Dedolights sind extrem stark fokussierbare Halogenspots (mittlerweile auch als LED-Version erhältlich). Durch die starke Fokussierbarkeit kann man mit Dedos sehr punktuelles Licht setzen. Sie sind außerdem dimmbar. Ein paar Dedolights, möglichst hoch aufgehängt und stark fokussiert, lassen sich so in eine Tanzflächenbeleuchtung integrieren, ohne dass das Licht blendet oder gar die Lichtstimmung kaputtmacht.

Vor- und Nachteile der Sony a7

Für den Hochzeitseinsatz haben die a7 im Vergleich zu meinen Profi-DSLRs eine Reihe von Vorteilen. Es gibt auch ein paar Nachteile. Nobody’s perfect.

Vorteile:

  • klein und leicht: mit zwei großen DSLR’s und lichtstarken Objektiven fühlt man sich wie ein Packpferd. Die A7 ist sehr kompakt und leicht. Aufgrund der hervorragenden ISO-Performance kann man bei den Objektiven auf das letzte Quäntchen Lichtstärke verzichten, was Gewicht und Packmaß ebenfalls deutlich reduziert.
  • Sucher: der elektronische Sucher ist anfänglich gewöhnungsbedürftig. Aber die Vorteile in der Praxis sind immens: der Sucher wird aktiviert, indem man die Kamera ans Auge nimmt. Nimmt man die Kamera wieder weg, schaltet sie automatisch auf das Display um. Man kann also ganz unmittelbar zwischen dem klassischen Sucherblick und „Live-View“ wechseln.
  • Im elektronischen Sucher kann man darüber hinaus vorher sehen, wie sich die Belichtungseinstellungen auswirken (inkl. Weißablgeich) und zur Bildkontrolle muß man nicht erst aufs Display schauen, sondern kann das Ergebnis direkt im Sucher ansehen. Antippen des Auslösers führt wieder zur Aufnahmebereitschaft zurück.
  • Wie bei Videokameras kann man „Fokus Peaking“ und „Zebra“ aktivieren. Fokus Peaking zeigt farblich an, welche Stellen im Bild scharf sind. Mit etwas Übung kann man hier auch bei Blende 1.4 extrem exakt scharfstellen. Das Zebra zeigt überbelichtete Stellen im Bild an. Noch besser ist dafür aber das Histogramm geeignet, auch das lässt sich einschalten.
  • praktisch jede Taste ist individuell belegbar

Nachteile:

  • Nachteil der kleinen Abmessungen ist die geringe Akkukapazität. Die Sony akzeptiert aber problemlos Fremdakkus, die schon um 10€ erhältlich sind. Da die Akkus ebenfalls klein und leicht sind, ist es kein Problem, immer eine Handvoll davon in der Tasche zu haben.
  • die A7 der ersten Baureihe haben einen schicken Retrolook, der ergonomisch allerdings Wünsche offenlässt. Gewöhnungssache.
  • schnelle Bewegungen im Dunkeln sind schwierig zu erfassen (tanzende Menschen im Discolicht).
  • AF bei der a7S langsamer als bei DSLR’s (aber sehr präzise)
  • sehr umfangreiches Menü, kein Individualmenü nach eigenen Wünschen konfigurierbar
  • User-Memory speichert keine Tastenbelegungen
  • Noch relativ kleine Objektivauswahl

Welche a7? Es gibt sechs verschiedene a7-Modelle, welche ist die Richtige?

Sony a7 im Vergleich
a7 a7 II a7S a7S II a7R a7R II
Gehäuse original modernisiert original modernisiert original modernisiert
Bajonett normal normal verstärkt verstärkt ? verstärkt
Auflösung 24MP 24MP 12MP 12MP 36MP 42MP
Serienbild 5 Bilder/s 5 Bilder/s 5 Bilder/s 5 Bilder/s 4 Bilder/s 5 Bilder/s
Autofokus Hybrid Hybrid 117 Zonen Kontrast 25 Zonen Kontrast 25 Zonen Kontrast 25 Zonen Hybrid 399 Zonen
AF-Emfindlichkeit EV 0 bis EV 20 EV -1 bis EV 20 EV -3 bis EV 20 EV -3 bis EV 20 EV 0 bis EV 20 EV -2 bis EV 20
ISO 50-25600 50-25600 50-409600 50-409600 50-25600 50-102400
Brauchbare ISO ? ? 51200 51200 ? 25600
XAVC-S nein ja ja ja nein ja
4K-Video nein nein extern intern nein intern
SLOG nein nein SLOG2 SLOG3 nein SLOG2
Stabilsierung nein ja nein ja nein ja
Lautloser Verschluß nein nein ja ja nein ja
Sucher 0,71 0,71 0,71 0,78 0,71 0,78

Empfehlung:

Die Sony a7RII ist die universelle Kamera für den professionellen Hochzeitsfotografen. Sie bietet maximale Qualität bei Foto und Film, einen lautlosen Verschluss und eine sehr gute ISO-Empfindlichkeit. Der Preis ist inzwischen auf unter 3000€ brutto gesunken, was für eine solche Kamera nicht viel ist. Zum Vergleich: die neue a9 kostet 5300€ und bietet hauptsächlich einige ergonomische Verbesserungen und einen noch besseren Autofokus.

Wer auch mit geringerer Auflösung zufrieden ist, für den ist a7S die richtige Wahl. Sie bietet excellente ISO-Werte und einen lautlosen Verschluß. In Sachen Film lässt sie praktisch alle DSLR’s hinter sich, mit einem externen Aufnahmegerät sogar in 4K. Der Autofokus ist deutlich langsamer als bei der a7RII, aber für die meisten normalen Motive ausreichend.

Die a7S II würde ich dagegen nur echten Video-Profis empfehlen. Der immense Mehrpreis gegenüber der a7S ist nur gerechtfertigt, wenn man interne 4K-Videoaufnahmen braucht.

Die a7 II ist eine gute Allzweck-Kamera zum moderaten Preis. Leider fehlt ihr der lautlose Verschluß und hohe ISO-Fähigkeit. Für Hochzeiten scheint sie daher nur suboptimal zu sein. Gleiches gilt für die a7 und a7R der ersten Serie.

Als Abrundung nach unten hat Sony mit der a6500 eine interessante Kompaktkamera mit E-Mount Anschluß im Programm. Wer eine reine Videokamera sucht, für den wären die FS5 & FS7-Videokameras mit E-Mount eine interessante Alternative.

Update 2018 Inzwischen ist die a7-Baureihe wieder gewachsen. Die neue a7RIII bringt einen nochmals verbesserten Autofokus, größere Akkus und (weitgehend) den Bedienkomfort der a9. Das neueste Familienmitglied ist die a7III, die zu einem moderaten Preis von ca. 2300€ ein echtes Universalgenie zu sein verspricht. Sobald ich beide Kameras austesten konnte, werde ich meinen Bericht aktualisieren.

Fazit

Ich freue mich, den Wechsel vollzogen zu haben. Natürlich wird die Umgewöhnung noch eine Weile dauern, und einige liebgewonnene Funktionen meiner Nikons – wie die Abblend- und Funktionstaste neben dem Objektiv, fehlen mir an den Sonys. Insgesamt überwiegen für mich jedoch ganz klar die Vorteile.

In weiteren Folgen meines Blogs werde ich mehr Beispielbilder und Filme zeigen, und auch die Funktionen der a7S und a7RII detaillierter erklären. Merkt Euch einfach www.theweddingstory.de/technik oder gebt ein Like auf facebook.com/saschamoll ab, um auf dem Laufenden zu bleiben.

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